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Wirtschaft: Opel in der Sandwich-Position
Opel glänzt wieder mehr als vor ein paar Jahren
Nach dem drastischen Arbeitsplatzabbau der vergangenen Jahre findet die Traditionsmarke Opel langsam ihre neue Rolle im General-Motors-Konzern. 
 

Die Erleichterung ist Carl-Peter Forster anzumerken. „Es hat sechs Jahre gedauert, um die Krise zu überwinden“, sagte der Chef von General Motors Europe (GME). 2006 hat der US-Autokonzern, der jedes fünfte Auto in Europa verkauft, auf dem alten Kontinent zum ersten Mal seit 1999 wieder einen Gewinn erzielt. Bei einem Umsatz von 33,2 Milliarden US-Dollar blieben immerhin 227 Millionen Dollar Gewinn übrig.

Drastischer Personalabbau

Zu diesem Ergebnis hat der drastische Abbau von Arbeitsplätzen beigetragen. Statt 88 000 Menschen wie noch im Jahr 2000 beschäftigt GM in Europa nur noch 60 000 Leute – ein Minus von 30 Prozent. Insgesamt hat GME die Fixkosten seit 2000 um rund zwei Milliarden Dollar gekappt.

Das es dabei bleibt, ist keineswegs sicher. Forster, der derzeit mit den europäischen Betriebsräten über die Fertigung des neuen Mittelklasse-Modells Astra verhandelt, schließt einen weiteren Personalabbau nicht aus. Selbst die Schließung eines Werkes ist „als absoluter Grenzfall“ nicht vom Tisch.
Bessere Verkaufszahlen

Außer niedrigeren Kosten schlugen sich 2006 auch gestiegene Verkäufe positiv in den Büchern nieder. 2006 hat General Motors in Europa erstmals mehr als zwei Millionen Autos verkauft. Bei einzelnen Modellen konnte das Unternehmen auch deutlich höhere Verkaufspreise erzielen.

Beispiel Astra GTC: Bei einem Durchschnittspreis von 21 200 Euro für den Dreitürer fließen 1850 Euro mehr in die GM-Kassen als beim Fünftürer und sogar 4800 Euro mehr als beim dreitürigen Vorgängermodell. Zurückgekehrtes Vertrauen in die Qualität der Fahrzeuge schlägt sich im Kauf teurer Extras nieder. „Unsere Kunden bestellen heute häufiger höherwertige Ausstattungsvarianten“, bestätigt Forster.

Osteuropa wächst stärker als der Westen

Das Geschäft von General Motors verlagert sich freilich zunehmend nach Osteuropa. 1995 wurden noch 88 Prozent aller Autos in Westeuropa verkauft. 2010 werden es nach einer internen Prognose allenfalls noch etwa 77 Prozent sein. Vor allem vom russischen Markt sind die GM-Manager begeistert. Von 66 300 verkauften Autos im Jahr 2004 hat sich das Geschäft bis 2006 auf 133 000 Autos verdoppelt. Im laufenden Jahr will GM die Grenze von 200 000 Autos knacken.

In Osteuropa ist es GM gelungen, der 1911 vom schweizer Rennfahrer Louis Chevrolet und dem amerikanischen Geschäftsmann Billy Durant gegründete Marke Chevrolet neues Leben einzuhauchen. Der Löwenanteil der Chevrolet-Verkäufe von rund 342 000 Autos ging 2006 an Russland und die Ukraine.

Im Westen ist für die Billigmarke, die vor allem Arbeiter und Familien mit schmalen Haushaltsbudgets ansprechen soll, noch Überzeugungsarbeit nötig. „Wenn man die Leute fragt, welche Autos wir haben, ist Chevrolet noch ziemlich unbekannt“, räumt Chevrolet-Europachef Wayne Brannon ein. Das Käuferinteresse soll auch dadurch steigen, dass nach langer Abstinenz Modelle wie Captiva, Lacetti, Nubira und Epica mit Dieselmotoren bestellt werden können.

Opel: Eine GM-Marke unter vielen

Brannon beteuert zwar, das zunehmende Chevrolet-Verkäufe nicht zu Lasten der Marke Opel gehen. Lediglich für 0,5 Prozent der Kunden, die eine GM-Händler aufsuchen, komme sowohl ein Opel als auch ein Chevrolet in Frage. Dennoch wird für Opel die Situation im neuen GM-Markenmonopoly nicht einfacher: Chevrolet bedient das Billig-Segment, Cadillac schlägt sich mit Mercedes-Benz, BMW, Lexus und Jaguar herum, und Saab steht im Wettbewerb mit Volvo und Audi.

Da bleibt für die Marke Opel, die mit Modellen wie „Kapitän“ und „Admiral“ einst in der höchsten Autoliga auftrumpfen und mit einem „Omega“ zumindest in der oberen Mittelklasse noch gut mithalten konnte, nur das hart umkämpfte Feld der „Volumenanbieter“ – VW, Ford, Peugeot, Toyota und Renault. Dort nimmt der Preisdruck eher zu.

Und Opel-Marketing- und Vertriebschef Alain Visser wird weiter heftig darum werben müssen, dass Autos wie der neu aufgelegte Opel GT „der schwarze Pfeffer auf unserem Portfolio“ sind und der frech beworbene Kleinwagen Corsa die „Lokomotive“ für das angestrebte frischere Image der Marke Opel ist.

Von FOCUS-Redakteur Thomas Glöckner


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Quelle: Focus gefunden von Bergi (03. 04. 2007) (275 x gelesen, Kommentare: 0)  Foto: Opel glänzt wieder mehr als vor ein paar Jahren Drucken

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