Auf der Suche nach einem Investor für Opel wurde man am Freitag abends endlich fündig: Der österreichisch-kanadische Autozulieferkonzern Magna einigte sich mit General Motors auf einen Vorvertrag zur Übernahme des Autokonzerns. Demnach wird Magna 20 Prozent an Opel übernehmen, 35 Prozent nimmt die russische Sberbank und auch GM bleibt mit 35 Prozent an der neuen Opel-Gesellschaft beteiligt. Zehn Prozent sollen von Management, den Beschäftigten und Opel-Händlern übernommen werden.
Zähe Verhandlungen
Der Einigung gingen ziemlich harte Verhandlungen voraus. Freitag Mittag sah es sogar aus, als ob Magna das Handtuch werfen würde. Davor hatte bereits Fiat seinen Rückzug aus den Bietergesprächen bekannt gegeben: Neue Geldforderungen von GM würden "Fiat dazu zwingen, sich unnötigen und irrationalen Risken auszusetzen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne.
"Es entsteht der Eindruck, dass GM gar nicht verkaufen will", sagte ein Beobachter untertags. So gegen 16 Uhr überschlugen sich aber die Ereignisse, GM gab plötzlich nach. Davor gab es noch kurz Probleme, weil GM nicht wollte, dass die neue Opel-Firma so große Märkte wie China nicht beliefern dürfe. Der von Bundeskanzlerin Merkel für Freitag Nachmittag geplante Gipfel aller Beteiligten in Berlin wackelte daher, fand aber letztendlich doch statt.
Dabei ging es um die Vergabe eines Überbrückungskredits an Opel von 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro bis Oktober, um die Existenz zu sichern. Denn am Montag wird General Motors in den USA Gläubigerschutz beantragen. Ohne Einigung wäre Opel in den Insolvenz-Strudel hineingezogen worden. GM will sich dadurch dauerhaft sanieren, und abgeschlankt weitermachen.
Magna benötigt zur dauerhaften Sanierung und Weiterführung von Opel etwa 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen. Nicht nur Deutschland, auch andere europäische Länder sollen sich daran beteiligen.
Großbritannien, Belgien, Spanien, Polen - alles Länder, in denen es Opel-Werke gibt - sollen dazu bereit sein. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, die Aktion koordinieren zu wollen - auch um nationale Beihilfen zu unterlaufen. Bei einer solchen Treuhandlösung würde auch Österreich mitmachen. Denn im Paket befindet sich auch das Opel-Werk in Wien-Aspern mit rund 1540 Arbeitsplätzen, das Motoren und Getriebe fertigt.
Aspern betroffen
Sozialminister Rudolf Hundstorfer sagte zum KURIER: "Wie mit Kollegen Mitterlehner (Wirtschaftsminister, Anm.) abgesprochen, gibt es ein grundsätzliches Ja Österreichs zu einer Beteiligung." Die im Raum schwebenden 300 Millionen Euro dürften der Regierung aber deutlich zu viel sein.
Ein zusätzliches Erschwernis der Verhandlungen ist die Notwendigkeit, sowohl bei Opel als auch bei GM Steuergeld unterschiedlicher Länder in die Hand zu nehmen. Die USA waren darauf bedacht, dass kein Steuer-Dollar nach Deutschland fließt, umgekehrt sah das die Berliner Regierung in Richtung USA genauso.
Bereits vor drei Tagen machte aber GM prinzipiell den Weg frei, indem die Rechte an Liegenschaften (Werke) und Patenten nach Europa transferiert wurden. Neben den Auto-Werken umfasst dies auch sechs der elf Motorenwerke, darunter eben auch Wien-Aspern.
Insgesamt geht es in Europa um 50.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie. 25.000 entfallen auf Opel in Deutschland, aber auch Vauxhall in Großbritannien ist Bestandteil der Magna-Übernahme.
Angriff statt Verteidigung
Mit der erzielten Einigung steht Firmengründer Frank Stronach und sein Top-Manager Sigi Wolf wohl vor ihrem größten Sieg. Es ist die Stärke der beiden, aus Notsituationen in die Offensive zu gehen. Natürlich leidet auch der bisher nur als Zulieferer tätige Magna-Konzern unter der Auto-Krise. Mit der Opel-Übernahme steigt Magna in eine neue Liga auf. Denn mit an Bord hat Magna die staatliche russische Sberbank. Und die soll der Garant sein, dass Opel einen bevorzugten Zugang zum großen Russlandmarkt bekommen kann.
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